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Langjährige aufopfernde Pflege…

Im Ganzen können wir vieles aufopfern.
aber uns im einzelnen herzugeben,
ist eine Forderung, der wir selten gewachsen sind.
Johann Wolfgang von Goethe

 

Liebe Tante Susanne,

der Tod Deiner lieben Mutter hat sich schon sehr lange abgezeichnet. Man kann es fast als Wunder bezeichnen, dass sie die Strapazen ihres Leidensweges so lange, so geduldig, so klaglos ertragen hat. Sie wäre sicherlich viel früher gestorben, wenn Du Dich ihrer nicht mit so rührender Fürsorge angenommen hättest. Manchmal hatte ich – verzeih mir – den Eindruck, sie wolle und könne Dich nicht allein zurücklassen, um Dich nicht der „Lebensaufgabe“ zu berauben.

Du warst für sie Tochter, Pflegerin, Trösterin und Mitleidende zugleich. Für Deine Mutter warst Du immer da.

Nach dem fast völligen Versagen ihres Organismus hat sie den Tod herbei gesehnt. Aber Du warst noch nicht bereit, sie gehen zu lassen. Der Tod kann für den Sterbenden eine Befreiung von unsäglichen Qualen sein, die zu absoluter Lebensunwilligkeit führen können. Dass Du diese Erkenntnis gewonnen hast, dass dieser Zeitpunkt für Deine Mutter gekommen war, spricht für Dein Einfühlungsvermögen und auch für Deine Bereitschaft, endlich „loslassen“ zu können.

Du hast zwar jetzt Deine Lebensaufgabe verloren, aber für Dich selbst ein Stück Entlastung und Befreiung gewonnen, denn Du kannst jetzt endlich dein eigenes Leben leben. Es macht Sinn, Zeit und Muße für sich selbst zu haben. In dem Gedanken, alles, aber auch wirklich alles für Deine Mutter getan zu haben, kannst Du endlich zur Ruhe kommen und Frieden mit Dir selber schließen.

Diese Einsicht wünscht Dir

Dein Patenkind Jonathan