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Friedhofsgeflüster beim GBI Hamburg

Am 4.09.2018 fand im hereinbrechenden sommerlichen Abend eine wunderbare und sehr schöne Führung über den Ohlsdorfer Friedhof statt.  Der Titel lautete:

Friedhofsgeflüster

Im Kreis von rund 50 Gästen berichtete die „schwarze Witwe“ über die Bräuche des 19. Jahrhunderts in Bezug auf den Umgang mit dem Tod und der Trauerzeit. Bekanntlicher Weise war es damals üblich als Trauerfarbe schwarz zu tragen. Hinter der schwarzen Witwe steckt die promovierte Kunsthistorikerin Anja Kretschmar, die extra für unsere Führung aus Rostock angereist gekommen ist. Wir haben viel gelernt und berührende Geschichten gehört. Zum Beispiel wie man sich vor den wiederkehrenden Seelen zu schützen glaubte. Was ein Leichenbitter ist und wie man die Totenwache überstanden hat. Mit viel Alkohol konnte man die Totenwache damals ganz gut überstehen. Am Abschluss der Runde, die bewusst nicht den Friedhof Ohlsdorf erklärt hat, wurde ein sehr herzergreifendes Ritual von allen Teilnehmern selbst durchgeführt. Das Ritual hat zwei Elemente unseres Seins verbunden und die Gedankenräume erweitert. Welches Ritual das war, möchten wir aber nicht verraten, damit der Spannungsbogen für die Friedhofsgeflüster-Gruppen 2019 noch erhalten bleibt. Die Rückmeldung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war überwältigend gut.

Aberglauben regierte die Welt des Todes im 19. Jahrhundert

Wenn wir uns vergegenwärtigen, dass die Medizin als Naturwissenschaft im 19. Jahrhundert noch in den Kinderschuhen steckte und der Tod als naturwissenschaftlicher Tatbestand auch noch eher undurchschaubar war, insbesondere die Todesursachen, nimmt es kein Wunder, dass man als normaler Teil des Volkes, sprich Bürger,  noch ganz dem Aberglauben verhaftet war. Im Bestattungsmuseum in Wien kann man ein Stilett bewundern, dass das reiche Wiener Bürgertum einsetzten ließ, nach dem vermeintlichen Tod, um sich von Ärzten nochmal richtig erstechen zu lassen, weil die Wiener Angst hatten scheintod begraben zu werden.

Genau aus dieser Unwissenheit des 19. Jahrhundertes speiste sich der blühende Aberglauben um die Seelen-Macht der Verstorbenen, die nicht im Gleichgewicht mit der Welt,  angeblich auf die Welt der Lebenden ausüben konnten. Die Wiedergänger waren Seelen, die nicht gänzlich im Reich der Toten „lebten“, sondern ihr Unwesen in der Welt der Lebenden trieben. Durch Rituale bei der Bestattung sollte man angeblich wirksame Methoden haben, um dem Wiedergängertum Einhalt zu gebieten.

Verbindungen ins Totenreich im 21 Jahrhundert

Aus einer der Trauergruppen, die im GBI kostenlos für die Kunden angeboten werden, ist bekannt, dass der Drang und Impuls nochmal Verbindung mit den Toten aufzunehmen sehr stark ist.  Es gibt einige spiritistische Angebote, die versprechen mit den Toten in Kontakt treten zu können. Es zeigt sich, dass auch heute noch der wohl unzerstörbare Wunsch besteht, mit den Toten zu reden. Ob so eine Verbindung möglich ist oder nicht, möchten wir dahingestellt sein lassen. Die Naturwissenschaftler und Ärzte behaupten deutlichst, dass es nicht möglich ist.

Daher ist es klug, offene „Baustellen“ und Ungereimtheiten in einer Beziehung vorher zu klären, weil es manchmal zu spät sein könnte. Wir wissen aus den Trauergruppen, dass der Tod immer zu früh kommt, ganz gleich, ob er mit 60 Jahren einen Menschen abberuft, oder mit 95 Jahren.

Gespräch mit den Toten

Tatsächlich ist aber auch erlaubt auf dem Friedhof mit den Toten zu reden. Vielleicht ein Angebot zur Klärung von Streitpunkten. Für die psychologische Dimension dieses Monologes gibt es eine Reihe von guten Gründen, auch wenn die Toten nicht unmittelbar antworten. Wer weiß, ob sie nicht doch zuhören und ein Zeichen senden oder eine bestimmte Energie in dem Herzen der Sprechenden freisetzen können.

 

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