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Schuldgefühle – Selbstvorwürfe – Verzweiflung…

Das Leben ist der Güter höchstes nicht;
der Übel größtes aber ist die Schuld.
Schiller

 

Lieber Ralf,

es tut mir weh, Dich, meinen alten Freund, so leiden zu sehen! Durch unser Gespräch am Abend nach der Beisetzung Deiner Lebensgefährtin Dorothea ist mir erst richtig klar geworden, wie verzweifelt Du Dich mit – meiner Meinung nach völlig ungerechtfertigten – Selbstvorwürfen quälst. Glaube doch bitte dem Notarzt, der Dir versichert hat, dass Du nichts mehr für Dorothea hättest tun können, auch wenn Du früher nach Hause gekommen wärest, wenn Du gar nicht erst zu Deinem Termin gefahren wärest, wenn Du darauf bestanden hättest, dass sie sich nach ihrem sporadischen Unwohlsein der letzten Zeit hätte untersuchen lassen sollen. Es war ihr bestimmt, einem plötzlichen Herzanfall zum Opfer zu fallen; jeder von uns stirbt seinen ganz persönlichen Tod, und in den meisten Fällen trifft niemanden eine Schuld daran!

Die meisten Menschen wünschen sich doch einen völlig unerwarteten, schnellen Tod, ohne Angst, ohne Schmerzen, ohne Leiden. Nur für uns, die Hinterbliebenen, die, die allein weiter machen müssen, ist es so schlimm, dass wir nicht richtig Abschied nehmen konnten, dass wir nicht noch einmal all unsere Liebe und unsere Hoffnungen aussprechen konnten.

Es ist nicht Deine Schuld, Ralf, dass Dorothea allein sterben musste! Du darfst Dir nicht etwas vorwerfen, was ohnehin nicht Deiner Kontrolle unterliegt. Das einzige, das Du Dorothea schuldig bist, ist die Überwindung Deiner Verzweiflung. Nimm all Deine Vernunft zusammen und erkenne die Wahrheit: Du hättest nichts tun können, es ist nicht Deine Schuld, Du hast Dir nichts vorzuwerfen!

Bewahre ihr Bild in Deinem Herzen.

Ich bin für Dich da. Dein Andreas

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