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Testament

Achtung: Die nachfolgenden Hinweise zum Testament sind nur eine grobe Orientierung und ersetzen keine Rechtsberatung!

Die gesetzliche Erbfolge

Liegt kein Testament vor oder ist das Testament ungültig, wird die Erbschaft nach der gesetzlichen Erbfolge geregelt. Sofern kein Ehevertrag mit Gütertrennung abgeschlossen wurde, gilt bei Ehegatten die Zugewinngemeinschaft. Danach steht dem Ehegatten mindestens die Hälfte des Nachlasses zu. Im Fall von Gütertrennung erhält der Ehepartner, wenn Kinder vorhanden sind, nur ein Viertel. Der Mindestanteil kann sich aber unter bestimmten Voraussetzungen bis zu drei Vierteln der Erbmasse erhöhen.

Gesetzliche Erben erster Ordnung sind zunächst die Kinder des Verstorbenen – sowohl eheliche als auch nichteheliche –, wobei letztere nur dann gesetzliche Erben ihrer Väter sind, wenn sie nach dem 30. Juni 1949 geboren sind. Die Kinder des Erblassers erben zu gleichen Teilen den verbleibenden Rest. Die nichtehelichen Kinder haben beim Tod ihres Vaters jedoch nur einen Anspruch auf Zahlung in Höhe des Wertes ihres Erbteils in Geld – den sogenannten Erbersatzanspruch. Für verstorbene Kinder treten die Enkel als Anspruchsberechtigte ein. Gibt es Erben erster Ordnung, dann gehen die weniger nahestehenden Verwandten leer aus. Andernfalls kommen die Erben zweiter Ordnung in Betracht. Zunächst Vater und Mutter. Sie erhalten zusammen ein Viertel, der Ehepartner drei Viertel.

Leben Mutter, Vater oder beide Elternteile nicht mehr, treten an deren Stelle die Geschwister des Erblassers. Sind auch diese verstorben, geht das Erbteil auf deren Kinder über. Wenn es keine Erben erster oder zweiter Ordnung gibt, ist der Ehepartner gesetzlicher Alleinerbe. Ist der Ehepartner dagegen schon vorher verstorben, sind die Erben dritter Ordnung an der Reihe: zuerst die Großeltern, danach Onkel und Tante, darauf Cousin und Cousine.

Testament und Pflichtteil

Die gesetzliche Erbfolge kann durch ein Testament ausgeschlossen und eine andere Erbfolge bestimmt werden. Jedermann hat das Recht, über sein Vermögen so zu verfügen, wie er es für richtig hält. Man kann beispielsweise den Ehepartner als Alleinerben einsetzen, ohne die Kinder zu berücksichtigen. In diesem Fall können die Kinder aber den ihnen zustehenden Pflichtteil verlangen. Der Pflichtteil – das ist die Hälfte des gesetzlichen Erbteils – ist in Geld auszuzahlen. Pflichtteilberechtigt sind die Kinder, die Eltern (wenn keine Kinder vorhanden sind) und stets der Ehepartner des Verstorbenen.

Das Privattestament

Die einfachste Testamentsform ist das Privattestament. Es muss eigenhändig handschriftlich verfasst, mit Datums- und Ortsangabe versehen und unterzeichnet werden. Wird das Testament nicht durchgehend eigenhändig handschriftlich verfasst, ist es ungültig. Stark Sehbehinderte dürfen deshalb laut Gesetz kein privatrechtliches Testament errichten; sie sind auf das öffentliche Testament beschränkt.

Das privatrechtliche Testament lässt sich jederzeit problemlos durch ein neues ersetzen, wobei das zeitlich letzte alle vorangegangenen aufhebt. Es sollte an einem sicheren Platz – beispielsweise bei den Familienpapieren – aufbewahrt werden. Generell ist eine Hinterlegung beim Nachlassgericht empfehlenswert, da hierdurch in jedem Fall gesichert ist, dass das Testament gefunden und eröffnet wird.

Das öffentliche Testament

Beim öffentlichen Testament wird der letzte Wille zu Protokoll eines Notars erklärt. Der Notar wird das Testament beim Nachlassgericht hinterlegen.

Das gemeinschaftliche Ehegatten-Testament

Ehepartner können ein gemeinsames Testament abfassen. Sie setzen sich beispielsweise gegenseitig zum Alleinerben ein und bestimmen häufig die Kinder als Erben des länger Lebenden. Bei einem solchen gemeinschaftlichen Ehegatten-Testament ist jedoch zu beachten, dass keiner der beiden Ehegatten Verfügungen allein widerrufen kann, von denen anzunehmen ist, dass sie nicht ohne Verfügung des anderen getroffen worden wären. Dies bedeutet häufig, dass der länger lebende Ehegatte an das gemeinschaftliche Testament gebunden ist.

Zum Inhalt eines Testaments

Als Erben können Sie einsetzen, wen Sie möchten. Ob eine oder mehrere Personen erben sollen, ob Staat, karitative Institutionen oder andere rechtsfähige Vereinigungen – das liegt im Ermessen des Erblassers.

Aus dem Testament muss zunächst hervorgehen, wer allein oder zu welchem Bruchteil erben soll (Erbquote). Dabei können bestimmte Nachlassstücke ganz bestimmten Erben zugesprochen werden (Teilungsanordnung). Der Wert dieser Stücke wird angerechnet auf die Erbquote, die dem jeweiligen Erben zusteht. Wenn keine Anrechnung auf die Erbquote erfolgen soll, ist ein Vermächtnis aufzusetzen, aus dem dies hervorgeht. Der Wortlaut könnte in etwa folgender sein: „Mein Haus vermache ich meinem Sohn Karl, ohne dass dies auf sein Erbteil anzurechnen ist.“ Ein Vermächtnis ist auch dann nötig, wenn Nichterben (zum Beispiel Freunde oder Bekannte) ein bestimmtes Teil erhalten sollen.

Hinweise, die in direktem Zusammenhang mit der Bestattung stehen, zum Beispiel der Wunsch, eingeäschert zu werden, gehören nicht in ein notarielles Testament, das beim Amtsgericht hinterlegt wird, sondern in eine handschriftlich erstellte testamentarische Verfügung, die bei den Dokumenten und Urkunden im Hause liegt. Am besten legt man solche Wünsche im GBI Bestattungsvorsorgevertrag fest. Die Erben sind laut BGB verpflichtet, die Kosten für eine standesgemäße Bestattung zu tragen.

Die Testamentseröffnung

Wer ein Testament verwahrt oder findet, ist verpflichtet, es sofort nach dem Sterbefall beim Amtsgericht einzureichen.

Ausschlagen der Erbschaft

Müssen die gesetzlichen oder testamentarischen Erben befürchten, dass der Nachlass überschuldet ist, oder liegen sonstige Gründe vor, können sie die Erbschaft ausschlagen. Dies muss innerhalb von sechs Wochen nach Kenntnis von Todesfall und möglicher Erbenstellung erfolgen. Das Ausschlagen der Erbschaft muss gegenüber einem Notar oder direkt gegenüber dem Nachlassgericht erklärt werden.

Der Erbschein

Als amtlicher Nachweis gilt der Erbschein. Sie benötigen ihn als Vorlage bei der Bank und den Behörden – insbesondere vor dem Grundbuchamt, sofern ein Grundstück geerbt wurde. Jeder Erbe kann den Antrag für einen Erbschein bei jedem Notar oder dem Nachlassgericht stellen. Dem Antrag sind die erforderlichen Urkunden beizufügen, nämlich diejenigen, die für den Nachweis der Erbfolge erforderlich sind, d.h. das Testament bzw. – bei gesetzlicher Erbfolge – die Abstammungsurkunden. Es empfiehlt sich aber, in schwierigen Fällen einen Rechtsanwalt oder Notar hinzuzuziehen.

Die Vollmacht

Bis zur Erlangung eines Erbscheines vergeht im Allgemeinen längere Zeit. Die Hinterbliebenen besitzen aber oft nicht die notwendigen Barmittel, um die bis dahin angefallenen Rechnungen zu begleichen.

Daher ist es sinnvoll, einer anderen Person Vollmacht zu erteilen. Sie berechtigt den Bevollmächtigten, über die bestehenden Bank- und Sparkassenkonten zu verfügen, entweder nur zu Lebzeiten oder zweckmäßigerweise auch über den Tod hinaus. Es kann auch ein Vertrag zu Gunsten Dritter abgeschlossen werden, der erst mit dem Tode gültig wird.

Internationales Erbrecht

Das internationale Erbrecht wurde 2015 von der EU neu geregelt. Entscheidend ist der Schwerpunkt des Aufenthalts und der Lebensführung. Wer beispielsweise längere Zeit vor seinem Tod als Deutscher auf Mallorca gelebt hat, wird nach spanischem Erbrecht veranlagt. Um dies zu verhindern, kann eine notarielle Vereinbarung aufgesetzt werden, in der die örtliche und sachliche Zuständigkeit qua Willenserklärung festgesetzt wird. Insbesondere kann hier auch das Landesrecht, nach dem vererbt werden soll, festgelegt werden.

Sprechen Sie in Zweifelsfällen unbedingt ihren Notar an.

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