Die Tage bis zum Weihnachtsfest rücken näher. Für Trauernde sind diese Tage ohnehin sehr schwer. In diesem Jahr sind die Möglichkeiten sich mit Menschen zu umgeben oder sich abzulenken besonders schwer. Es gibt leider keine Patentlösung. Wichtig ist, dass man den Mut zusammen nimmt und Dinge versucht, die man vor dem Verlust nie gemacht hätte.

  • Nehmen Sie sich selbst ernst

Hören Sie auf sich, wenn Ihnen Etwas zu viel ist, ist das vollkommen in Ordnung.

  • Erstellen Sie sich einen Leitfaden

Gerade Feiertage können sehr chaotisch sein. Um die eigene Balance nicht komplett zu verlieren, kann ein Leitfaden helfen. Bitte achten Sie darauf – nicht zu detailliert zu planen, das löst nur unnötigen Stress aus. Vergessen Sie nicht – Pläne sind dafür da umgeworfen zu werden. Passen Sie Ihre Pläne Ihren Gefühlen an.

  • Befreien Sie sich von Erwartungen

Sie müssen nicht die tolle Gastgeberin oder der smarte Herr des Hauses sein. Nur weil Festtage sind, müssen Sie Niemanden und besonders nicht sich selbst beweisen, dass alles “in Ordnung” ist.

  • Schaffen Sie einen Platz für die Lücke

Den Platz, an dem Jemand fehlt, kann man mit besonders viel Liebe gestalten. Warum nicht am Tisch bewusst ein zusätzliches Gedeck wählen? Vielleicht zündet man eine Kerze an und spricht liebevolle Worte für oder an die fehlende Person.

  • Haben Sie den Mut Rituale weiter zu pflegen.

Auch, wenn es schwerfällt alte Rituale in einsamer Besetzung zu pflegen, kann es mit der Zeit heilsam sein. Rituale geben Sicherheit. Aber achten Sie auf Ihr persönliches Tempo. Wenn ihnen in diesem Jahr nicht nach einem Gruppenfoto ist, da der Beweis der Lücke zu sehr schmerzt – dann bleiben sie dabei und lassen Sie sich nicht drängen.

  • Haben Sie Mut für Neues

Jede Lebensveränderung bring Möglichkeiten mit sich. Vielleicht wollten Sie schon immer lieber in silbern als in golden dekorieren oder haben eigentlich seit Jahren nur noch aus Tradition den Braten zubereitet, fühlen sich aber schon lange eher nach einfacher Küche an den Festtagen oder vielleicht wollen Sie mal wieder an Heiligabend in die Kirche gehen, was Sie schon lange nicht mehr gemacht haben … Trauen Sie sich Dinge zu versuchen, die neu sind – es ist kein Verrat! Häufig lösen Veränderungen Schuldgefühle aus. Nutzen Sie die Möglichkeiten der Veränderung in kleinen Schritten – so stellen Sie sicher, dass sie sich nicht überfordern.

  • Nehmen Sie Hilfe in Anspruch

Zögern Sie nicht Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Freund oder eine Freundin nimmt sich auch zu Weihnachten die Zeit für Sie. Versuchen Sie Ihre Angst zu überwinden, dass Sie Freunde und/oder Familie mit Ihrer Trauer belasten. Bei der Telefonseelsorge findet man ein offenes Ohr – wenn man alleine ist oder die Angst das Umfeld zu belasten zu groß wird.

  • Aufeinander achten

Kinder trauern anders. Helfen Sie Ihrem Kind auch zu Weihnachten die Trauer auszudrücken. Man könnte gemeinsam am Friedhof eine selbstbemalte Holzkugel aufhängen oder kleine Geschenke ablegen. Wichtig ist auch darauf zu achten, dass man nicht versucht die Kinder durch Geschenke von der Trauer abzulenken. Kinder dürfen genau wie Erwachsene auch an Feiertagen traurig sein. Die Ambivalenz zwischen Freude und Vermissen ist für Kinder nicht einfach auszudrücken – daher sind Erinnerungsrituale, auch wenn diese fremd wirken wirklich empfehlenswert.

Sprechen Sie miteinander und wenn Gespräche zu impulsiv werden, schweigen Sie bewusst miteinander – gerade in Familien löst ein Trauerfall sehr unterschiedliche Reaktionen aus, die manchmal zu großer Unruhe führen. Miteinander festzulegen, das man gemeinsam schweigt, kann das Miteinander erleichtern – jeder bekommt so die Möglichkeit sich zurückzuziehen, obwohl man beisammen ist – ohne das das Gegenüber sich ignoriert fühlt.

Nathalie Jess

Nathalie Jess

Bestattermeisterin