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Presse

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Interview mit Wolfgang Litzenroth, Geschäftsführer des GBI,
Welt am Sonntag vom 24.11.2013

 

Herr Litzenroth, was ist der Unterschied zwischen einem Bestattungsunternehmen und einem Beerdigungsunternehmen?

Es gibt keinen Unterschied. Wir bestatten Menschen, und dazu gehört natürlich auch die Beerdigung, „das in die Erde bringen“.

Wozu benötige ich überhaupt ein Bestattungsunternehmen?

Sie könnten auf uns verzichten,wenn Sie ein Fahrzeug hätten, um die Überführung eines Verstorbenen vorzunehmen. Ansonsten sind es Dienstleistungen, die wir erbringen, die durchaus jeder selbst machen kann und darf – und aus meiner persönlichen Einstellung heraus zum Teil auch machen sollte. Man darf aber die Komplexität nicht unterschätzen.

Was sollte ich denn im Einzelnen übernehmen?

Nehmen wir mal das Tragen zur Gruft. Früher war es üblich, dass das Freunde machen. Es ist eine Geste der Verbundenheit, ein Anstoß zur Trauerbewältigung, die ich für sehr wichtig erachte.

Also kann ich meine Angehörigen selbst beerdigen?

Im Prinzip, ja. Sie müssen sich aber mit einem Friedhof in Verbindung setzen. Das Grab dürfen Sie nicht ausgraben, dafür gibt es Sicherheitsvorschriften und spezielle Techniken.

Kann man den Beruf eines Bestatters erlernen?

Es ist seit geraumer Zeit ein Lehrberuf. Man kann aber auch seinen Bestatter-Fachwirt nach einer Prüfung vor der Handelskammer machen. Das ist etwas für reifere Quereinsteiger.

Haben Sie Nachwuchssorgen?

Gegenwärtig nicht. Wir nehmen für eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft gern Abiturienten und Menschen, die nicht 16, sondern schon 22 Jahre alt sind.

Warum will man Bestatter werden?

Weil man im persönlichen Umfeld häufig Verlusterfahrungen gemacht hat. Diese Menschen können sich zudem ausmalen, dass Bestatter zu sein eine spannende Tätigkeit ist. Viele haben auch eine Helfermentalität. Die mögen einfach etwas für andere tun.

Arbeiten auch Frauen für Sie?

Bis auf unseren Überführungsdienst haben wir bei den Auszubildenden und den Bestatter-Fachkräften einen hohen Frauenanteil.

Warum?

Gefühlt haben Frauen wohl immer noch die bessere Sozialkompetenz.

Was für Kosten kommen bei einer Beerdigung auf mich zu?

Wir müssen zwei Blöcke trennen. Das sind zum einen die staatlichen Gebühren. Die betragen in Hamburg auf einem staatlichen Friedhof für eine nicht anonyme Grabstätte circa 1500 bis 2200 Euro.

Was kommt beim Bestatter dazu?

Dazu gehört der Sarg und die gesamte Begleitung, die Ausrichtung der Trauerfeier, der Blumenschmuck, und so weiter. Insgesamt kann man mit 2500 bis 4500 Euro rechnen.

Was kostet ein Sarg?

Bei uns von 500 Euro bis zu 5000 Euro.

Wo werden die Särge hergestellt?

Das ist unterschiedlich. Die edleren und arbeitsintensiven Särge noch in Deutschland, die meisten anderen im europäischen Ausland.

Kann ich mir bei Ebay einen billigeren Sarg ersteigern?

Sie könnten so einen Sarg erwerben und mitbringen. Wir würden den dann verwenden. Die einzige Bedingung ist, dass er die Maße und Normen erfüllen muss. Und er muss nach dem Hamburger Bestattungsgesetz aus Vollholz sein.

Wann finden die meisten Beerdigungen statt?

Im Januar haben wir am meisten zu tun.

Wie kommt das?

70 Prozent der Menschen sterben in einer Institution und nicht zu Hause. Menschen hangeln sich zu bestimmten Daten noch mal durch. Sie möchten noch einmal Weihnachten oder das neue Jahr erreichen.

Warum verdrängen die Männer die Trauer mehr als die Frauen?

Weil die Männer in der Vergangenheit nicht gelernt haben, über Gefühle zu reden. Die Unterschiede werden aber geringer. Die Männer zeigen zunehmend mehr Gefühle. Das sollten sie und müssen sie. Trauer ist ein Lebenselixier. Wer nicht trauert, kann die Verluste und die Verlustängste, die damit einhergegangen sind, nie bewältigen.

Wie trauert man richtig?

Den einen richtigen Weg gibt es nicht. Es gibt viele Wege und nur individuelle Wege. Man sollte die Trauer zulassen und nach draußen darstellen. Man sollte sich mit anderen austauschen, sich auch bedauern lassen – betrauert werden.

Warum heißt Ihr Unternehmen Großhamburger Bestattungsinstitut?

Wir sind 1920 von Gewerkschaften, einer AOK und einem Konsumverein gegründet worden. Damals gab es noch selbstständige Städte wie Altona. Inzwischen sind wir ein rechtsfähiger Verein mit sozialer Verantwortung. Wir sind ein Unternehmen, das sich selbst gehört. wir haben keinen Eigentümer. Das ist etwas ganz Besonderes.

Sie sind also Geschäftsführer von gar nichts?

Ich bin Geschäftsführer von einem Unternehmen, das sich selbst gehört, und bin neben dem Vorstand derjenige, der sich das auch immer wieder sagen muss.

Welche Vorteile hat dieses Konstrukt für Sie?

Es gibt nicht den Gesellschafter, den Eigentümer, der exorbitant hohe Renditen erwartet. Das wirkt sich dämpfend auf unsere Preise aus. Gewinne bleiben im Unternehmen. Wir können nicht gekauft und übernommen werden.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie?

Wir sind insgesamt 95 Mitarbeiter, also ein kleines Unternehmen. Aber in unserer Branche sind wir ein großes.

Was machen Sie mit anonymen Beerdigungen?

Die führen wir genauso durch wie jede andere auch. Ich selbst habe aber ein Problem damit.

Warum?

Weil ich glaube, dass es für die Trauerbewältigung einen konkreten Ort geben muss. Es gibt Menschen, die stehen vor Gräbern und halten Zwiesprache. Diese Verortung der Trauer ist etwas sehr Hilfreiches. Darum haben wir auch einen Verein gegründet. Er heißt Quo Vadis und soll verhindern, dass Menschen aus ökonomischen Gründen sich oder ihre Angehörigen anonym bestatten lassen müssen. Wir unterstützen diese Beerdigungen.

Warum sehen Bestatter stets ernst aus?

Das finde ich gar nicht. Ich kenne viele Bestatter, die gerne lachen.

Sie auch?

Ich lache gern. Selbstverständlich dann, wenn es passt. Ich freue mich, wenn Menschen fröhlich sind und lasse mich gern davon anstecken.

Was war der ausgefallenste Wunsch bei einer Beerdigung?

Eine Harley-Davidson, die zum Grab gefahren werden sollte. Die Trauergesellschaft hat partout darauf bestanden, danach die Champagnergläser ins Grab zu werfen.

Erfüllen Sie jeden Wunsch?

Fast jeden Wunsch.

Welchen nicht?

Wir haben mit Wünschen, die unsere nationalsozialistische Vergangenheit betreffen, Schwierigkeiten.

Das heißt?

Es gibt immer wieder Lieder, wie das Horst-Wessel-Lied, die gewünscht werden. Wir überzeugen dann die Angehörigen, dass so etwas unpassend ist.

Wie gehen Sie persönlich mit dem Tod um?

Ich habe vor dem Tod Angst.

Warum?

Weil ich weiß, wie schön das Leben ist. Ich sehe täglich, wie Menschen betroffen sind, wie tragisch viele Umstände sind. Ich hoffe immer noch, irgendwann einen entspannten Umgang zu finden.

Und bis dahin?

Ich bin Realist. Ich weiß, dass es mich eines Tages ereilen wird. Dann stelle ich mich dem Tod. Ich habe aber Angst davor. Ich war wegen einer Krebserkrankung schon einmal sehr, sehr nahe am Tode. Ich bin so glücklich, dass ich vom Leben noch etwas haben darf.

Was geht Ihnen bei Beerdigungen durch den Kopf?

Dass Menschen traurig sind, dass sie betroffen sind, jemanden verloren zu haben. Ich weiß dann, dass ich viel mehr Demut vor dem Leben entwickeln sollte, als es mir oft gelingt.

Haben Sie sich schon Ihr Grab ausgesucht?

Ich weiß, wo ich hin will. Ich möchte auf dem Ohlsdorfer Friedhof begraben werden. Das ist ein so schöner Friedhof. Er ist erreichbar für all diejenigen, die vielleicht einmal das Bedürfnis haben, mich zu besuchen. Ich gehe dort auch gern spazieren. Es ist eine wunderschöne Ruhestätte, die mich zur innerlichen Besinnung führt.

Wissen Sie schon, wie Sie selbst einmal beerdigt werden wollen?

Ich möchte eine Feuerbestattung haben. Warum? Ich musste einmal an einer Exhumierung teilnehmen. Da war ein Mensch zwei Jahre im Erdboden gewesen. Das hat bei mir Spuren hinterlassen …

Norbert Vojta ist Journalist und Honorarprofessor an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg

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